Drehstrom, Anschlusskabel und Normen
Hallo!
Heute kommt wie versprochen der zweite Artikel zum Thema Drehstrom. Unser Thema heute sind Drehstromnetze mit drei und mit vier Leitern, außerdem werden wir kurz und knapp auf die wichtigsten Normen zur Farbgebung von Drehstrom-Leitungen eingehen. Also, los gehts!
Wie bereits im letzten Artikel angesprochen, besteht Drehstrom aus drei einzelnen Phasen, sodass es logisch ist, dass wir mindestens mal drei verschiedene Kabel benötigen. Jedoch kennen wir ja schon von einem ordinären Gleichstromnetz her die Tatsache, dass man ein Kabel benötigt, welches zum Verbraucher hinführt und eines, welches wieder vom Verbraucher wegführt. Folglich könnte man meinen, dass man für ein Drehstrom-Versorgungskabel auch mindestens vier Leiter braucht: Drei einzelne Phasen, die hinführen und ein Kabel, welches praktisch den "Minus-Pol" oder die "Masse" darstellt, die wieder zurückführt. Der aufmerksame Leser sollte sich jedoch wieder an den letzten Artikel erinnern können: Dort habe ich kurz angesprochen, dass man unter bestimmten Bedingungen auf den vierten Leiter verzichten kann. Das ist immer dann der Fall, wenn alle drei Phasen des Drehstromes gleichmäßig belastet werden, man spricht dann auch von symmetrischer Belastung. Dies ist beispielsweise bei einem Drehstrommotor der Fall, bei dem alle Spulen den gleichen Widerstand besitzen und es somit zu keiner Phasenverschiebung des Drehstromes kommt. Dann ergibt sich beim Überlagern der drei Phasen eine Auslöschung sämtlicher Ströme und somit benötigt man keinen vierten Leiter, welcher wieder zurückführt oder kann bei geringen Phasenverschiebungen den vierten Leiter, den man auch als Neutralleiter oder Nullleiter bezeichnet, deutlich kleiner als die anderen Leiter dimensionieren. Dieses System wird auch bei Überspannungsleitungen verwendet, da man durch die große Anzahl an angeschlossenen Verbrauchern im Mittel auch eine symmetrische Belastung erreicht beziehungsweise eventuell existierende geringe Differenzströme über die Erde zurückführt.
Bei unsymmetrischer Belastung führt man entsprechend einen Neutralleiter oder Nullleiter ein, man spricht dann von einem Vierleitersystem.
Für die Farbgebung der einzelnen Leiter haben sich vor allem eine Norm herauskristallisiert, die IEC 60446. Diese sieht für die Leiter der drei Phasen die Farben Braun, Schwarz und Grau vor und für den Neutralleiter die Farbe Blau. Der Schutzleiter ist gelb/grün gestreift.
Der nächste Artikel unserer Serie erscheint dann am 1. Juni, dann zur Geschichte des Drehstromes. Der nächste Comic-Strip am 22. Mai.
Bis dahin alles Gute!
Philipp